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Häufig wenden sich Menschen mit der Frage an uns, was die Ursache ihrer inneren Unruhe ist und wie diese durch Meditation in innere Ruhe verwandelt werden kann.
Dabei wird häufig angenommen, dass die innere Unruhe auf äußere Faktoren zurückzuführen sei, wie beispielsweise die Meinungen anderer, Lob oder Kritik sowie gesellschaftliche Erwartungen. Ein häufig zitierter, wenngleich nicht belegter Ausspruch, der dem Buddha zugeschrieben wird, ist der Satz: „Das Streben nach äußerer Zustimmung führt zu innerer Unruhe“. Obwohl es sich hierbei nicht um ein authentisches Zitat aus den Pali-Kanon-Texten handelt, spiegelt der Inhalt dennoch einen zentralen Aspekt buddhistischer Lehre wider: Die Abhängigkeit von äußerer Bestätigung – verstanden als Form der Anhaftung (upādāna) – wird als Quelle innerer Instabilität und geistiger Unruhe erkannt. Diese Sichtweise ist aber keineswegs exklusiv buddhistisch geprägt, sondern findet sich auch in anderen spirituellen und philosophischen Traditionen wieder. So betont auch das Christentum diesen Gedanken, sich nicht von der Anerkennung anderer abhängig zu machen. Im Matthäus-Evangelium (Kapitel 6, Vers 1) sagt Jesus: „Habt aber acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.“ Ein ähnlicher Gedanke findet sich auch im Stoizismus, einer antiken hellenistischen Philosophie, die bis heute noch viele Lehren inspiriert. Zusammenfassend lehrt diese Philosophie, sich auf das zu konzentrieren, was man selbst kontrollieren kann und die Meinung anderer außen vor zu lassen. Gemäß dieser entstehen mit einer solchen Haltung innere Freiheit und Gelassenheit. Weitere spirituelle Traditionen wie der Hinduismus, Daoismus oder Sufismus betonen ebenfalls, dass das Loslassen von Anhaftungen an äußere Umstände und das Kultivieren einer inneren Freiheit der Schlüssel zu wahrer innerer Zufriedenheit sein kann. Bei all diesen Ideologien können wir also erkennen, dass die Suche nach äußerer Zustimmung nicht nur Unruhe erzeugt, sondern auch das spirituelle Wachstum behindern kann. Während eines kontemplativen Retreats betonen auch die Zenklausen die Bedeutung sich seine eignen Anhaftungen bewusst zu werden, und in Folge einen Weg zur inneren Ruhe zu finden. Dieses kann man bei uns einerseits durch eine individuelle Einkehr in die Ruhe, Übungsformen wie Meditation, Achtsamkeitstage und thematischen Seminaren, sowie Einzelgespräche erreichen. Ziel ist es aber nicht die vollständige Abkehr von der Welt und seiner Unruhe zu erreichen, sondern die Entwicklung einer inneren Stabilität, die es ermöglicht, auch inmitten äußerer Unsicherheit und Kritik eine Haltung der Gelassenheit zu bewahren. Hierdurch erkennen wir, dass sich die Ursache und Lösung in uns selbst befindet. Der Mensch muss lernen seine persönliche Abhängigkeit von Anerkennung zu erkennen, lernen darüber zu reflektieren und diese dann schrittweise loszulassen oder anzuerkennen. Zusammenfassend zeigt sich: Das Streben nach äußerer Zustimmung als Quelle innerer Unruhe ist ein universelles Thema, das in vielen spirituellen und philosophischen Konzepten immer wieder hervorgehoben wird, und ein Weg zu Selbstfindung sein kann, um das eigene Leben gelassener und authentischer zu gestalten und zu leben. Author: Markus Wilsing
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