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ZEN & Praxis


Gedanken und Anregungen zu Meditation, Zazen, Achtsamkeit und der praktischen Umsetzung des Zen im Alltag. Die folgenden Texte laden dazu ein, Zen nicht nur zu verstehen, sondern auch zu erfahren.
​
  • Oryoki: Die Kunst des Genug
  • Ist ZEN Passiv?
  • Die ZEN-Regeln der Zenklausen
  • Die Grundprinzipien des Zen in den Zenklausen
  • Der Weg zum Einklang
  • Meditation & Gesundheit
  • ZEN: ohne Titel & ohne Kittel
Morgenduft Zenklausen
Morgenduft & Ruhe @ Zenklausen

Oryoki: Die Kunst des Genug

Oryoki ist die Kunst, genug zu empfangen – nicht mehr, nicht weniger.
Eine Schale, zwei Hände, ein Atemzug.

Oryoki ist auch das,
was in die Schale passt.
Nicht mehr.
Nicht weniger.

Im Zen ist Essen kein Nebenbei. Es ist Praxis. Jede Bewegung ist bewusst: das Öffnen der Tücher, das Anordnen der Schalen, das Heben des Löffels. Nichts geschieht zufällig. Und doch geschieht alles mühelos.

„Gefäß, das genau das enthält, was nötig ist“ – das ist nicht nur die Schale.
Es ist auch der Geist.

Oryoki lehrt:

Genug ist bereits vollständig.
Was vor dir liegt, ist kein Mangel und kein Überfluss.
Es ist einfach das, was ist.

Wenn wir so essen, hören wir auf zu greifen.
Wir hören auf zu vergleichen.
Wir hören auf, mehr zu wollen.

Dann wird jede Mahlzeit still.
Und in dieser Stille zeigt sich etwas Einfaches:
Zufriedenheit entsteht nicht durch Fülle,
sondern durch das Erkennen von „genug“.

Ein Reiskorn.
Ein Atemzug.
Ein Moment.
Das genügt.

​© Markus Wilsing

Ist "ZEN" Passiv?

Oft werden wir gefragt, ob ZEN eine passives Verhalten vom Praktizierenden fordert? Zen ist in erster Linie nicht "passiv" im Sinne von Untätigkeit oder Trägheit. Im Gegenteil, die Zen-Philosophie fordert uns auf, aktiv zu sein und uns ganz auf unsere Handlungen und unsere Umgebung zu konzentrieren. Dabei behilft sich Zen der Praxis der Meditation, in der wir üben, unseren Geist zu beruhigen, unsere Wahrnehmung zu schärfen und auf den Augenblick und dem Ganzen zu richten. Dabei dient während der Meditation die Konzentration auf den Atem als Hilfestellung. Diese Praxis soll somit den Praktizierenden zu mehr augenblicklichen Bewusstheit verhelfen und die Fähigkeit verbessern, bewusste Entscheidungen zu treffen, kreativ und ganzheitlich zu denken und handeln. Auf diese Weise wird die Bedeutung von Achtsamkeit und Konzentration hervorgehoben, um unseren Geist von Ablenkungen zu befreien und uns auf das zu konzentrieren, was im Moment geschieht. Hiermit ermutigt uns Zen, uns auf die Gegenwart zu konzentrieren und aktiv zu handeln, um das Beste aus unserem Leben und unserer Umgebung zu machen. Zen ist also keine passive, sondern eine aktive Praxis, die uns ermutigt, unsere Aufmerksamkeit und Energie auf unsere Handlungen und unser Leben im Augenblick zu richten.

© Markus Wilsing​

Die ZEN-Regeln der Zenklausen

Es ist immer wieder schön zu erleben, wie Menschen, welche die Zenklausen besuchen, anfangs denken Sie würden einen oder mehrere ZEN-MöncheINNEN vorfinden. Gerade aus dieser Sicht unterscheiden sich die Zenklausen sehr von anderen Orten, die ZEN praktizieren. Wir sind zwar keine Zen-MöncheINNEN und werde es in diesem Leben auch nie werden, dennoch ist das Konzept der Zenklausen zum größten Teil vom Lebensstil der ZEN-Mönche inspiriert und aus dieser Sicht verwaltet. ZEN zeichnet für uns eine Lebensweisheit auf, die einige Regeln und Wege beschreibt, welche den Menschen in die innere Ruhe, Achtsamkeit, Leichtigkeit und Gelassenheit des Lebens führen können. Auch inspirierte uns die Einfachheit, welche die ZEN-MöncheINNEN leben und bei fast allem Tun ein Lächeln auf den Lippen bewahren.
 
Vielleicht möchten auch Sie kein Zen-MönchINN werden, aber würden doch sehr gerne ein wenig von dieser ZEN-Ruhe und inneren ZEN-Gelassenheit in Ihrem Leben spüren. Dies ist eigentlich nicht schwer, wenn man nur lernt, ein paar Regeln in seinen Alltag einzubauen. Jene Regeln, die wir mit unserer jahrelangen ZEN-Erfahrung Schritt für Schritt mit unseren Gästen üben und daraufhin wirkungsvoll in den eigenen Alltag integriert werden können.
 
Denn wer von uns kann nicht ein bisschen mehr Konzentration, Ruhe und Achtsamkeit in seinem Leben gebrauchen?
 
1. Lerne eine Tätigkeit nach der anderen zu tun;
2. Lerne alle Tätigkeiten erst einmal langsam und bewusst auszuführen;
3. Beende zuerst eine Aufgabe, bevor du zur Nächsten schreitest;
4. Tue das, was du tun kannst und nicht mehr;
5. Lerne Raum zwischen den Aufgaben zu schaffen;
6. Entwickle deine eigenen Rituale;
7. Setze gewisse Zeiten für bestimmte Arbeiten fest;
8. Lerne Zeit fürs Meditieren zu finden;
9. Lerne zu lächeln und diene anderen;
10. Verwanden alltägliche Arbeiten in Meditation;
11. Lerne herauszufinden, was für dich wirklich wichtig und notwendig ist;
12. Lerne einfach zu leben.
​13. Lebe in Einklang mit der Natur und dem Universum;
14. Lerne zu schweigen;
15. Lerne loszulassen.
 
Falls auch Sie uns einmal besuchen möchten und mehr über den ZEN-Weg in die innere Ruhe erkunden möchten, kontaktieren Sie uns und wir helfen Ihnen  gerne auf Ihrem persönlichen Weg in die Ruhe weiter.

© Markus Wilsing​

Die Grundprinzipien des Zen in den Zenklausen

Zen ist bekannt für seine Einfachheit und den Fokus auf direkte, achtsame und intuitive Einsicht im alltäglichen Handeln. Die Prinzipien des Zen sind im Prinzip "einfach" und können in jeder Lebenskultur integriert werden. Einige der Kernprinzipien, welche auch die Zen-Philosophie und Gedanken der Zenklausen leiten, sind wie folgt:
 
1. "Der Geist konstruiert die Erfahrung": Zen lehrt, dass unsere Erfahrungen nicht unbedingt die Realität widerspiegeln, sondern vielmehr durch unsere Wahrnehmungen und Glaubenssysteme geformt werden.
 
2. "Das Selbst als Illusion": Im Zen wird das Selbst nicht als feste, unveränderliche Entität betrachtet, sondern als etwas, das ständig im Fluss und in Bewegung ist. Diese Sichtweise hilft, sich von starren Selbstdefinitionen zu lösen.
 
3. "Glaube nur, was du für wahr hältst": Zen ermutigt zur persönlichen Authentizität und dazu, nur das zu glauben, was durch direkte Erfahrung als wahr erkannt wird.
 
4. "Loslösung als Weg zum Glück": Zen betont die Bedeutung der Loslösung von materiellen Dingen und Konzepten, um wahrhaftiges Glück zu finden.
 
5. "Sein über Tun": Im Zen wird mehr Wert auf das reine Sein gelegt als auf Aktivität oder Produktivität. Es geht darum, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein.
 
6. "Objektive Selbstbeobachtung": Zen-Praktizierende streben danach, Beobachter ihrer eigenen Gedanken und ihres Lebens zu werden, ohne sich von ihnen mitreißen zu lassen.
 
7. "Einheit als natürlicher Zustand": Zen sieht Einheit und Verbundenheit mit allem als den natürlichen Zustand des Seins an.
 
Diese Prinzipien spiegeln, wie erkennbar ist, die eigenen Zen-Haltung wider, welche sich durch individuelle Achtsamkeit, Einfachheit und eine persönliche tiefe Wertschätzung für den gegenwärtigen Moment auszeichnet. Es ist eine Praxis, die darauf abzielt, das Individuum über die Grenzen des intellektuellen Verstehens hinaus zu führen und eine direkte wahre Erfahrung der Realität zu ermöglichen. Zen ist somit mehr als nur eine Philosophie; es ist eine Lebensweise, die darauf abzielt, Klarheit und Frieden im Geist zu finden.

© Markus Wilsing​

Der Weg zum Einklang

Wenn man ZEN studiert und praktiziert, muss man unter allen Umständen vermeiden, Tönen zu folgen und sich an Formen zu klammern.

​Dieser lebensverändernde Weg der Erkenntnis und spirituellen Praxis führt den Suchenden zu einer tiefgreifenden inneren Stille, in der die Essenz des Seins erkannt wird. Jenseits der konventionellen Konzepte und festgefahrenen Strukturen öffnet sich eine unendliche Weite des Bewusstseins, in der die Wahrheit in ihrer reinen Einfachheit und Schönheit erstrahlt. In dieser ungebundenen Offenheit verschmelzen Vergangenheit und Zukunft zu einem zeitlosen Moment, in dem unendliches Wissen im "Hier" und "Jetzt" erfahren wird. Ein wahrer Zen-Praktizierender lernt, den Geist zu beruhigen, um die Klarheit des Geistes zu erlangen, und entwickelt die Fähigkeit, alle Erfahrungen mit Gleichmut zu empfangen. Mit jedem Schritt auf diesem Weg der Selbsterkenntnis wächst die Erkenntnis, dass die Wahrheit nicht in Worten oder Dogmen gefangen werden kann, sondern in der direkten Erfahrung des unmittelbaren Augenblicks liegt. So führt die ZEN-Praxis den Suchenden nicht nur zur Erleuchtung, sondern auch zu einem erfüllten und achtsamen Leben im Einklang mit sich selbst und der Welt um sie herum.

Die Praxis des ZEN lehrt somit, dass das Festhalten an festgefahrenen Meinungen und Vorstellungen eine Quelle von Leiden und Unruhe ist. Indem man sich von den Fesseln begrenzender Glaubenssätze befreit, eröffnet sich ein grenzenloser Raum für persönliches Wachstum und spirituelle Entwicklung. Das Loslassen von jeglichen Formen und Konzepten erlaubt es, den Geist zu klären und eine klare Wahrnehmung zu entwickeln.

Die Schönheit des ZEN liegt in seiner Schlichtheit und Praktikabilität im täglichen Leben. Es ermutigt dazu, Achtsamkeit und Bewusstheit in jede Handlung und jeden Moment zu integrieren. Die Zen-Praktizierenden lernen, mit offenen Sinnen und einem unvoreingenommenen Geist zu leben, so dass sie jeden Moment vollständig erfassen können, ohne von der Vergangenheit oder Zukunft abgelenkt zu werden.
Durch die Disziplin des ZEN werden Geduld, Ausdauer und Gelassenheit entwickelt. Es ist kein einfacher Weg, aber einer, der zu einem tiefen inneren Frieden führt, der unabhängig von äußeren Umständen bleibt. Es ist wie das Entdecken eines verborgenen Schatzes innerhalb des eigenen Herzens.

In der ZEN-Praxis werden Worte oft überflüssig, denn die wahre Erkenntnis liegt jenseits der Sprache. Es geht um die unmittelbare Erfahrung des Seins, die nicht durch Konzepte oder Dogmen eingeschränkt wird. Es ist ein Prozess des Erwachens zu einem höheren Bewusstseinszustand, in dem die Dualität verschwindet und Einheit erfahren wird.
​
So wird das Studium und die Praxis des ZEN zu einer lebenslangen Entdeckungsreise, die tiefgreifende Transformation und spirituelle Erleuchtung ermöglicht. Es ist ein Weg der inneren Freiheit, der den Menschen dazu befähigt, das volle Potenzial des menschlichen Seins zu entfalten und in Einklang mit dem größeren Ganzen zu leben.

© Markus Wilsing​

Meditation & Gesundheit

Alzheimer und Demenz sind laut einer französischen Studie nicht heilbar, aber mit einfachen Maßnahmen vermeidbar. Dazu untersuchten die Forscher, ob das Erlernen einer Fremdsprache und Meditieren in dieser Hinsicht besser sind. Dafür beobachteten sie 18 Monate lang 137 Männer und Frauen ab 65 Jahren, die zum Zeitpunkt der Studie nicht an Demenz litten. Außerdem haben sie alle Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe absolvierte regelmäßig Englischkurse, die zweite Gruppe meditierte täglich 20 Minuten lang und die dritte Gruppe lebte als Kontrollgruppe weiter. Am Ende der Studie schnitten die „Meditierenden“ deutlich besser ab, gefolgt von einer Gruppe „Fremdsprecher“. „Meditation war dem nichtmuttersprachlichen Training überlegen“ (Dr. Gael Stella, Universität Caen-Normandie*). Die Studien zeigt, dass bereits 20 Minuten Meditation pro Tag das Selbstbewusstsein verbessern, die Wachsamkeit erhöhen und auch sozial-emotionale Fähigkeiten wie Empathie und Konfliktlösung entwickeln können. Die Forscher erklärten, dass je wichtiger ein Faktor ist, desto unwahrscheinlicher ist es, an Alzheimer zu erkranken. Auch frühere Untersuchungen haben bewiesen, dass das tägliche Praktizieren von Meditation nicht nur hilft, sich besser zu konzentrieren, sondern auch Stress und Angst reduziert und die Gesundheit verbessert. Die vollständigen Ergebnisse dieser Studie wurden in der Zeitschrift "Jama Neurology" veröffentlicht.

*Chételat, G., Lutz, A., Klimecki, O. et al. (2022): Effect of an 18-Month Meditation Training on Regional Brain Volume and Perfusion in Older Adults: The Age-Well Randomized Clinical Trial, JAMA Neurology.

© Markus Wilsing​

ZEN: ohne Titel & ohne Kittel

Es ist immer wieder weltfremd mit anzusehen, wie sich Menschen, welche sich mit Zen oder Meditation beschäftigen, eine gewisse Kleidung tragen und ihre Umgebung mit bestimmten Gegenständen dekorieren. Dabei kommt einem Außenstehenden oft die Frage: Ist man nur ein ZEN Wissender oder Erfahrener, wenn man zum Beispiel eine Kesa (Mönchkleidung) und Rakusu (Latz) trägt, eine Glatze hat, den Lotussitz beherrscht, Räucherstäbchen ansteckt, auf einem Meditationskissen sitzt, einen Buddha auf dem Fensterplatz stehen hat, eine Klangschale schlägt und so vieles mehr. Genau betrachtet sind all diese Kleider und Gegenstände nur das Endprodukt einer gewissen kulturellen Sichtweise bezüglich der ZEN-Philosophie.

Dabei verbirgt ein schöner Trachtenrock, eine Lederhose, eine bequeme Jogginghose, ein mit viel Achtsamkeit hergerichteter Frühstückstisch, ein leckeres Spaghetti Gericht, gut gebügelte Kleidung, ein schöner Schaukelstuhl, ein schöner Kirchengesang, ein liebevoller Kuss, ein schönes Lachen, genauso viel ZEN in sich wie eine Kesa. Um also Zen und Meditation wirklich verstehen und lernen zu wollen, muss keiner seine geliebten Kleider oder Gegenstände ablegen und weltfremde erwerben.

In ZEN soll man einfach lernen, den Augenblick mit allen Sinnen achtsam zu erleben, das eigene Leben und Kultur zu verstehen, um dann mit sich, seinen Mitmenschen und dem Universum im Einklang und Frieden zu leben.

​Denn ZEN fängt mit dem an, was ist, und endet auch damit. Aus diesem Grund ist der erste Satz der Leitfäden der Zenklausen „OHNE  TITEL, OHNE KITTEL“. Denn der Mensch soll sich bei der Meditation und den Achtsamkeitsübungen auf sein wahres Wesen konzentrieren, um daraufhin dieses in Ruhe und mit Heiterkeit zu leben.

© Markus Wilsing​​

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