
Oryoki: Die Kunst des Genug
Oryoki ist die Kunst, genug zu empfangen – nicht mehr, nicht weniger.
Eine Schale, zwei Hände, ein Atemzug.
Oryoki ist auch das,
was in die Schale passt.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Im Zen ist Essen kein Nebenbei. Es ist Praxis. Jede Bewegung ist bewusst: das Öffnen der Tücher, das Anordnen der Schalen, das Heben des Löffels. Nichts geschieht zufällig. Und doch geschieht alles mühelos.
„Gefäß, das genau das enthält, was nötig ist“ – das ist nicht nur die Schale.
Es ist auch der Geist.
Oryoki lehrt:
Genug ist bereits vollständig.
Was vor dir liegt, ist kein Mangel und kein Überfluss.
Es ist einfach das, was ist.
Wenn wir so essen, hören wir auf zu greifen.
Wir hören auf zu vergleichen.
Wir hören auf, mehr zu wollen.
Dann wird jede Mahlzeit still.
Und in dieser Stille zeigt sich etwas Einfaches:
Zufriedenheit entsteht nicht durch Fülle,
sondern durch das Erkennen von „genug“.
Ein Reiskorn.
Ein Atemzug.
Ein Moment.
Das genügt.
© Markus Wilsing

Ist "ZEN" Passive
Oft werden wir gefragt, ob ZEN eine passives Verhalten vom Praktizierenden fordert? Zen ist in erster Linie nicht "passiv" im Sinne von Untätigkeit oder Trägheit. Im Gegenteil, die Zen-Philosophie fordert uns auf, aktiv zu sein und uns ganz auf unsere Handlungen und unsere Umgebung zu konzentrieren. Dabei behilft sich Zen der Praxis der Meditation, in der wir üben, unseren Geist zu beruhigen, unsere Wahrnehmung zu schärfen und auf den Augenblick und dem Ganzen zu richten. Dabei dient während der Meditation die Konzentration auf den Atem als Hilfestellung. Diese Praxis soll somit den Praktizierenden zu mehr augenblicklichen Bewusstheit verhelfen und die Fähigkeit verbessern, bewusste Entscheidungen zu treffen, kreativ und ganzheitlich zu denken und handeln. Auf diese Weise wird die Bedeutung von Achtsamkeit und Konzentration hervorgehoben, um unseren Geist von Ablenkungen zu befreien und uns auf das zu konzentrieren, was im Moment geschieht. Hiermit ermutigt uns Zen, uns auf die Gegenwart zu konzentrieren und aktiv zu handeln, um das Beste aus unserem Leben und unserer Umgebung zu machen. Zen ist also keine passive, sondern eine aktive Praxis, die uns ermutigt, unsere Aufmerksamkeit und Energie auf unsere Handlungen und unser Leben im Augenblick zu richten.
© Markus Wilsing
